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Claude findet neue Angriffe auf HAWK und reduziertes AES

Claude Mythos Preview verbesserte Angriffe auf HAWK und reduziertes AES. Die Ergebnisse verschieben die Messlatte für KI-gestützte Kryptanalyse.

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Anthropic hat am 28. Juli 2026 zwei kryptografische Angriffe vorgestellt, die Forscher mit Claude Mythos Preview entwickelt haben. Einer davon schwächt das Post-Quantum-Signaturverfahren HAWK deutlich. Der zweite betrifft eine rundenreduzierte Variante des Verschlüsselungsstandards AES.

Produktivsysteme sind laut Anthropic nicht betroffen. Relevant ist der Versuch trotzdem, denn Claude untersuchte Schwächen in den mathematischen Verfahren selbst. Für Entwickler und Sicherheitsteams entsteht damit eine neue Aufgabe: KI-generierte Forschungsergebnisse brauchen dieselbe strenge Reproduktion wie menschliche Arbeit. Zugleich könnten Agenten künftig erheblich mehr solcher Kandidaten produzieren.

Ein stärkerer Angriff auf HAWK

HAWK ist ein digitales Signaturverfahren für eine Zukunft, in der Quantencomputer heutige Kryptografie unter Druck setzen könnten. Laut Gigazine gehörte es zu den Kandidaten eines 2022 gestarteten Auswahlverfahrens des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology und war bereits zwei Jahre lang von Fachleuten geprüft worden.

Claude Mythos Preview entwickelte laut Anthropic innerhalb von 60 Stunden einen Angriff, der den zuvor stärksten bekannten Ansatz verbessert. Die dafür nötige Arbeit sinkt laut Gigazine auf ein Niveau, das einer Halbierung der effektiven Schlüsselstärke entspricht. Die eigentliche Schlüssellänge ändert sich dadurch nicht. HAWK lässt sich deshalb noch lange nicht mit einem gewöhnlichen Laptop brechen. Eine kleinere Sicherheitsreserve kann die Bewertung des Verfahrens trotzdem erheblich verändern.

Auch die Arbeitsweise verdient Aufmerksamkeit. Das Modell verfolgte über mehrere Tage eine offene Forschungsfrage, entwickelte mathematische Hypothesen und verwarf unbrauchbare Ansätze. Ein solcher Lauf ähnelt kaum einem automatisierten Scan, der bekannte Fehlermuster im Quellcode sucht. Er verlangt überprüfbare Zwischenschritte, damit Fachleute später nachvollziehen können, wie der Angriff entstanden ist.

Fortschritt bei rundenreduziertem AES

Der zweite Versuch galt AES, dem verbreiteten Standard für symmetrische Verschlüsselung. Untersucht wurde eine Variante mit reduzierter Rundenzahl. Solche Varianten dienen Forschern als Testfeld für neue Angriffsmethoden und die Sicherheitsreserven eines Verfahrens.

Claude fand dabei nach Angaben des Unternehmens einen neuen Angriffsweg. Gigazine beziffert die Beschleunigung gegenüber früheren Ansätzen je nach untersuchtem Fall auf das 200- bis 800-Fache. Diese Werte lassen sich nicht auf regulär eingesetztes AES übertragen. Sie beschreiben einen Fortschritt in einem bewusst abgeschwächten Testfall.

Vollständiges AES gilt durch das Experiment nicht als kompromittiert. Für Online-Banking oder andere Produktivsysteme entsteht daraus keine unmittelbare Gefahr. Der Forschungswert liegt in der laut Anthropic neuen kryptanalytischen Methode, die ein Frontier-Modell hervorgebracht hat.

Vom Code-Audit zur offenen Forschung

Mythos Preview war zuvor bereits auf Software und kryptografische Bibliotheken angesetzt worden. Dort fand das Modell nach Unternehmensangaben Fehler in konkreten Implementierungen. Bei HAWK und rundenreduziertem AES liegt der untersuchte Angriffspunkt im mathematischen Verfahren.

Diese Trennung hat praktische Folgen. Ein Code-Audit folgt meist einem bekannten Ablauf: Das System markiert eine verdächtige Stelle, ein Mensch schreibt einen Test und reproduziert den Fehler. Mathematische Kryptanalyse besitzt keinen solchen Standardpfad. Ein Agent muss neue Beziehungen im Verfahren erkennen und daraus eine Angriffskonstruktion entwickeln.

Wer KI-Agenten für Forschung baut, bekommt hier einen anspruchsvollen Referenzfall. Eine lange Laufzeit belegt für sich genommen gar nichts. Entscheidend ist, ob die Annahmen und Zwischenergebnisse erhalten bleiben und externe Fachleute die Kosten sowie den Geltungsbereich des Angriffs nachvollziehen können. Ein plausibel klingendes Resultat ist in der Kryptografie wertlos, solange diese Prüfung fehlt.

Reproduzierbarkeit wird zur Mindestanforderung

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI-Systeme in der Sicherheitsforschung über reine Fleißarbeit hinauskommen können. Trotzdem kann ein vorgeschlagener Angriff falsch, unvollständig oder praktisch bedeutungslos sein.

Für mich ist deshalb die Beweiskette nach dem Modelllauf der entscheidende Prüfstein. Unabhängige Kryptografen müssen den Angriff reproduzieren, seine Komplexität bestimmen und seine Grenzen benennen. Diese Kontrolle wiegt besonders schwer, wenn derselbe Anbieter das Modell entwickelt und anschließend dessen Forschungserfolg veröffentlicht.

Agenten könnten künftig große Variantenräume durchsuchen, Hypothesen über mehrere Tage verfolgen und Fachleuten konkrete Kandidaten zur Prüfung vorlegen. Bei HAWK und rundenreduziertem AES bleibt die unmittelbare Gefahr nach bisherigem Stand begrenzt. Die dauerhafte Konsequenz reicht weiter: Neue Kryptoverfahren müssen auch ausdauernden KI-Systemen standhalten. Ihre Prüfprozesse sollten darauf vorbereitet sein.

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